Wie sieht das Internet in fünf Jahren aus?

Cameron Chapman hat sich in einem Artikel auf noupe.com Gedanken darüber gemacht, wie das Internet in fünf Jahren aussehen wird. Ich finde die 15 von ihm gestellten Voraussagen sehr spannend und habe sie deshalb übersetzt und kurz zusammengefasst:

  1. Micropayment gewinnt an Bedeutung
    Gute und/oder spezielle Inhalte (quality content) sollen zukünftig einfacher bezahlt werden können und es Künstlern oder Autoren ermöglichen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Mikrozahlungen sind zudem heute schon bei Spielern von Multiplayer-Onlinespielen (MMORPGs) populär, da man in vielen Spielen gegen ein geringes Entgelt Ausrüstungsgegenstände etc. erwerben kann. Im Laufe der Zeit werden zudem noch weitere Zahlungsmöglichkeiten bzw. Zahlungswege wie Mobile-Payment auf den Markt kommen. In einigen Entwicklungsländern wo Computer noch seltener sind als Mobiltelefone, haben diese System schon heute eine große Bedeutung für die lokale Wirtschaft.
  2. Breitere Monitore um horizontale Inhalte darzustellen
    Der allgemeine Trend geht ganz klar zu immer größeren Monitoren (von 15” zu 17” zu 19” zu 21” usw.), aber Cameron Chapman ist auch der Meinung, dass Widescreen verbreiteter wird und wir in Zukunft horizontal Scrollen. Diese Ansicht teile ich nicht so ganz, denn meiner Meinung nach, sind es die User bereits gewöhnt vertikal zu scrollen.
  3. Interaktive Nischen-Magazine im Web gewinnen an Bedeutung
    Dieser Voraussage stimme ich ganz klar zu, denn erstens hat man heute sowieso keine Zeit mehr sämtliche Nachrichten zu konsumieren und zweitens kann man sich Inhalte bereits jetzt nach seinen Interessen vorsortieren lassen und bekommt so nur das zugeschickt, was einen wirklich interessiert. An Wiki-Inhalte, Video und Audio (Podcasts) haben sich auch schon fast alle User gewöhnt und können damit umgehen.
  4. Kooperationsprojekte über Social Media in Real Time
    Hier werden als Beispiele Twitter-Kurzgeschichten und Facebook-Romane genannt, aber auch Tools wie Google Docs oder Stixy aufgeführt, die eine ortsunabhängige Zusammenarbeit von mehreren Mitwirkenden im Internet ermöglichen.
  5. Mehr Semantische Inhalte und Apps um sie nutzbar zu machen
    Google versucht schon länger Inhalte nach ihrer Bedeutung zu sortieren und zu gruppieren, aber Computer können eben noch nicht alle Daten gleich gut wie Menschen interpretieren und in Zusammenhang setzen. Als Beispiel wird hier Microsofts neue Suchmaschine Bing genannt, bei deren (amerikanischen?) Suchergebnissen auch Bilder, Videos und verwandte Suchvorgänge anzeigt. (dazu: Spiegel Online -Suchmaschinen-Trends)
  6. Augmented Reality in mobilen Web-Applikationen
    iPhone- und Android-Handy-Nutzer werden vielleicht schon die Applikationen kennen, die einem zu Fotos von Sehenswürdigkeiten vor denen man gerade steht, passende Informationen liefern. Anders ausgedrückt: Man fotografiert mit seinem Handy Schloss Neuschwanstein und bekommt Informationen von Wikipedia, Flickr oder Twitter dazu angezeigt.
  7. Bessere Web-Standards
    Sauberer Code (W3C) und Kompatibilität zwischen verschiedenen Systemen wird wichtiger
  8. Bessere Sicherungsmöglichkeiten gegen Spam, Scams und Phishing
    Angst, neue Technologien zu nutzen schadet der ganzen (Internet-)Wirtschaft, also werden verstärkt Lösungen gesucht werden um diese drei Übel der Neuzeit loszuwerden
  9. Mehr soziale Netzwerke und Applikationen
    Da es heute schon soziale Netzwerke für Kleinkinder gibt, wirkt dieser Markt weiter wachsen und es wird mehr Angebote geben, die Inhalte von verschiedenen Netzwerken aggregieren und sinnvoll darstellen
  10. Bessere Online-Fernsehprogramme
    Neben Webisodes (Mini-Serien von TV-Programmen, die nur im Web ausgestrahlt werden) wird es zunehmen qualitative Online-Fernsehprogramme geben, die von Nutzern generiert wurden. Die entsprechende Aufnahme-Technologie wird günstiger und Breitband-Anschlüsse verbreiten sich auch weiter und schaffen so die Grundlage
    Beispiel: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog
  11. Web Applikationen spielen eine größere Rolle im Alltag
    Smartphones wie das iPhone mit mobilem Internetzugang ebnen den Weg für überall zugängliche Web-Applikationen die den Alltag einfacher machen und das Arbeiten und Leben erleichtern
  12. Suchmaschinenoptimierung verliert an Bedeutung
    Nutzer werden sich in Zukunft verstärkt an Empfehlungen in sozialen Netzwerken und Medien wie Facebook oder Twitter orientieren und seltener bei Google suchen, deshalb wird Usability wichtiger, um viele Nutzer-Empfehlungen generieren zu können
  13. Webbasierte Betriebssysteme für Netbooks
    Der Autor nennt hier Google’s Chrome OS als Beispiel für zukünftige Online-Betriebssysteme, die speziell für Netbooks gedacht sind
  14. Personalisierbare Benutzeroberflächen
    Da Web-Programme und Zusatz-Applikationen an Bedeutung gewinnen, wird auch die Personalisierbarkeit von Benutzeroberflächen wichtiger werden. Ein bereits existentes Beispiel ist Greasemonkey für Firefox
  15. Das Internet wird zum Informationszentrum
    Falls es das nicht schon längst ist, wird das Internet laut dem Autor in Zukunft fast alle anderen Medien ersetzen und zum wichtigsten Punkt um Informationen abzurufen und zu verbreiten. Beispiele: Filme muss man nicht man mehr auf DVD in der Videothek ausleihen, sondern kann sie online über iTunes laden, ebenso Bücher die zu eBooks werden

Ich bin sehr gespannt, ob wirklich alle Voraussagen von Cameron Chapman in fünf Jahren (oder vielleicht auch weniger) Wirklichkeit geworden sind. Insbesondere die Punkte webbasierte Betriebssysteme und spezielle Widescreen-Monitore erscheinen mir noch etwas skurril, aber allen anderen Punkten stimme ich uneingeschränkt zu. Wer schon ein Smartphone mit einer Flatrate für mobiles Internet nutzt und sich vielleicht ab und zu die ein oder andere Applikation herunterlädt, wird in Bezug auf viele Punkte der gleichen Meinung sein. Die meisten Apps sind noch reine Spielerei, doch viele erhöhen dagegen tatsächlich die Produktivität und/oder ersetzen andere Medien oder sogar Geräte!

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