Dez06
HbbTV – der zeitgemäße “Internet-Videotext”
Die Verschmelzung von Fernsehen und Internet wird schon seit langem sowohl von Zuschauern als auch von vielen Firmen herbeigesehnt und doch ist bisher wenig praxistaugliches auf den Markt gekommen. Dies soll sich nun jedoch endlich mit HbbTV ändern!
Die Abkürzung steht für “Hybrid Broadcasting Broadband TV” und bezeichnet die Verknüpfung der herkömmlichen TV-Signale mit zusätzlichen Daten aus dem Internet. Falls sich diese neue Technik bei Endkunden und Geräteherstellern durchsetzt, könnte damit auch der hässliche und längst nicht mehr zeitgemäße Videotext ausgedient haben.
Großer Vorteil von HbbTV ist, dass es europaweit und sowohl für Satellit, Kabel und Terrestrik verfügbar sein soll und somit zumindest in Bezug auf den Verbreitungsweg allen europäischen Nutzern offensteht.
Neben einem Internetanschluss wird momentan ansonsten auch noch ein HbbTV-Empfänger benötigt, der zum Beispiel in einem Satelliten-Receiver untergebracht sein kann. Noch ist das Angebot an entsprechender Hardware sehr dünn, aber der breite technische Rückhalt von Fernsehsendern, Verbänden und Herstellern lässt hoffen, dass es bald auch Fernsehgeräte mit HbbTV-Unterstützung geben wird. Zur Zeit ist Humax der erste Hersteller, der tatsächlich schon entsprechende Geräte auf den Markt gebracht hat.
Was bringt HbbTV?
Auf der diesjährigen IFA wurde der Funktionsumfang von HbbTV schon von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF vorgestellt. Die vielleicht einigen aus dem Internet bekannte “Mediathek” soll es beispielsweise schon bald auch auf dem Fernsehgerät geben, was quasi “Fernsehen auf Abruf” bedeuten wird. Man sucht sich das gewünschte Programm aus dem Katalog der verfügbaren Sendungen aus und kann es jederzeit vollkommen frei auf Knopfdruck starten, ansehen und unterbrechen.
Zudem soll es bessere und vor allem interaktive Programmführer und programmbegleitende Zusatzdienste geben, die beispielsweise weitere Informationen zu den gezeigten Themen oder Produkten liefern.
Da die HbbTV-Inhalte mittels des neuen CE-HTML Standards ausgegeben werden (der unter anderem auf XHTML und CSS basiert), lässt sich die Anzeige viel besser skalieren und auch auf HD-Fernsehern mit 1080p-Auflösung sauber und angepasst darstellen. RTL startet daher gleich zu Anfang mit einer Überarbeitung des Videotexts und nennt sie: “HD-Text”.
Kleine Schriften und Bilder die nicht aus der Entfernung lesbar sind, gehören dank HbbTV und CE-HTML ebenfalls der Vergangenheit an. Zudem wurde bei den Navigationsoptionen an die begrenzten Möglichkeiten einer üblichen Fernbedienung gedacht. So soll sich die Bedienung des neuen HbbTV-Angebots an der des Videotexts orientieren und über die Sonderknöpfe (rot, grün, blau, gelb) der Fernbedienung erfolgen.
Zusammenfassend sieht es wirklich ganz danach aus, als könnten wir schon in nächster Zeit von der lange überfälligen Überarbeitung des Videotexts profitieren. Der europaweite Ansatz und der bereits geformte Verbund von Canal+, France Television und TF1, der deutschen Forschungseinrichtung Institut für Rundfunktechnik (IRT), dem Satellitenbetreiber SES ASTRA sowie den Softwareunternehmen ANT und OpenTV lässt zudem hoffen, dass endlich eine genügend breite Basis aufgebaut wurde, damit sich der neue Standard auch flächendeckend durchsetzen kann und weitere Geräte auf den Markt kommen, die wiederum die Verbreitung bei den Endkunden fördern!
Foto: © SXC.hu/barunpatro
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