Nov09
Internetzensur umgehen und anonym Surfen
Die Diskussionen um Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung und zuletzt auch Internetsperren haben dazu geführt, dass sich viele Internetnutzer ihrer Privatsphäre nicht sicher oder zumindest in ihrer Freiheit stark eingeschränkt fühlen. Während die Sperren in Deutschland nach der Wahl zum Glück nun doch nicht eingesetzt werden und die EU im neuen Artikel 1(3)a der EU-Richtlinie zum Telekompaket die sogenannte “Internetfreiheit” definiert hat, ist es mit der Freiheit in anderen Teilen der Welt leider noch nicht so weit. Die folgende Dokumentation von 3sat “Netzsperren weltweit”, zeigt eindrucksvoll wie viele andere Länder und Regierungen bereits (bzw. immer noch) den Zugriff auf das Internet einschränken oder zensieren.
China mag das bekannteste Beispiel für eine strenge Zensur des Internets sein, doch wie im Beitrag erklärt wird, verzichtet fast kein Land zumindest auf eine Kontrolle der Datenströme im Internet. Burma, Kuba, Ägypten, Iran, Nord-Korea, Saudi-Arabien, Syrien, Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und China gelten laut den Reportern ohne Grenzen sogar als die “12 Feinde des Internets”, weil sie nicht nur Inhalte zensieren, sondern beispielsweise auch Verfasser von strittigen Inhalten inhaftieren. Die Dokumentation zeigt auch, wie solche Sperren technisch bewerkstelligt werden:
Interessant ist, dass sogar Länder wie Australien bestimmte Inhalte sperren und E-Mails sowie Festplatten ohne richterliche Kontrolle überwachen dürfen!
Da ich mich zur Zeit für ein Auslandssemester in China befinde, habe ich ebenfalls das Problem, dass ich nicht auf bestimmte Webseiten wie YouTube oder soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter zugreifen kann. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist die Situation diesbezüglich aber schon etwas besser geworden, 2007 war selbst Wikipedia noch gesperrt. Nichtsdestotrotz sind diese Sperren nervig und deshalb stelle ich im folgenden ein paar Lösungen vor um sie zu umgehen.
Proxys, Proxies oder Anonymizer?
Webproxys, oft auch “Anonymizer” genannt, sind die einfachste Lösung um die Sperrung bestimmter Seiten schnell und einfach zu umgehen. Bestimmt kennt jeder Services wie hidemyass.com oder unblockmyspace.com usw. Die Namen sprechen für sich. Diese Services ermöglichen es, über Skripte wie CGIProxy, PHProxy oder Glype auf der Webseite des Services, andere Webseiten aufzurufen ohne dass deren Inhalte offen über die eigene Internetverbindung übertragen werden. Das funktioniert je nach eingesetztem Skript besser oder schlechter und kann die Surfgeschwindigkeit teilweise stark verlangsamen. Da man keine Software installieren muss, ist es aber wie gesagt eine schnelle und einfache Lösung. Eine gute Quelle für Proxys ist www.proxy.org
Proxy Software und Proxy Netzwerke
Einer der ersten Tipps, die ich bekam, war Software wie Java Anon Proxy (JAP), TOR (The Onion Router) oder Hotspot Shield! zu benutzen. Alle diese Programme sind kostenlos verfügbar und basieren auf ähnlichen Prinzipien. Mir persönlich hat aber keins davon richtig gut gefallen, weil keine Lust hatte groß was an meinen Browser-Konfigurationen zu ändern und extra Software zu installieren. Andere kommen jedoch gut damit klar und schwören teilweise auf eine dieser Lösungen.
VPN – Virtual Private Network
Schlussendlich habe ich gelesen, dass Virtual Private Networks eine gute und sichere Lösung wären, da sie beispielsweise auch von den meisten Firmen und großen Konzernen eingesetzt werden. Aus diesem Grund kann beispielsweise China den Zugang zu ihnen auch nicht sperren, weil dann die ganzen Mitarbeiter von ausländischen Firmen nicht mehr (sicher) mit ihrer Zentralen kommunizieren könnten und es die Wirtschaft schädigen würde.
In vielen Quellen wurde OpenVPN empfohlen, “ein Programm zum Aufbau eines Virtuellen Privaten Netzwerkes (VPN) über eine verschlüsselte TLS-Verbindung”. Es gibt diverse Tutorials und HowTo’s wie man beispielsweise seine Fritz!Box als OpenVPN-Gateway nutzen kann, aber da ich schon im Ausland war, habe ich mich nach einer einfacheren Lösung umgesehen.
Glücklicherweise gibt es einige Anbieter wie strongVPN oder 12vpn, die gegen ein geringes Entgelt (schon ab ungefähr 2,50 Euro pro Monat) VPN-Server in verschiedenen Ländern anbieten. Zur Einrichtung ist auch fast kein technisches Know-How nötig, denn man braucht nur ein neues Netzwerk bei Windows mit den Zugangsdaten hinzufügen und schon kann man das VPN ohne zusätzliche Software nutzen wann man möchte!
Das genutzte Protokoll “PPTP” (Point-to-Point Tunneling Protocol) ist in Windows integriert. Alternativ steht noch das “Layer 2 Tunneling Protocol” (L2TP) oder die bereits genannte OpenVPN Software zur Auswahl, sodass für jeden Nutzer und jedes Betriebssystem eine Lösung dabei ist.
Ich nutze 12vpn seit September und strongVPN seit diesem Monat und bin mit beiden Services sehr zufrieden. Vorteile neben dem uneingeschränkten Internetzugang sind zusätzliche Sicherheit, Anonymität und eine amerikanische IP-Adresse. Diese kann zum Beispiel auch in Deutschland nützlich sein, etwa wenn man auf “US-only” Webseiten wie hulu.com zugreifen will.
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